Aus der Geschichte des Saale - Holzland - Kreises um Hermsdorf
 
Wüstungen um Hermsdorf
 
Gesammelt und aufgeschrieben von Werner Serfling Lehrer † 1995
 

Unser Waldgebiet ist zwischen 1150 und 1200 von Süd – und Westdeutschland her besiedelt worden. Dies beweisen schon die Namen einiger Dörfer. Eine dicht besiedelte Gegend ist der Eingang zum Zeitzgrund gewesen. Der Zeitzgrund, als eine der ältesten Straßen in unserer Gegend, hatte die Rabsburg anfangs als Wegesicherung. In deren Schutz entstanden die Dörfer. Abgesehen von Hermsdorf und Schleifreisen lagen westlich der Autobahn bis zur Ziegenmühle vier Dörfer und zwei Mühlen, die heute alle wüst sind.

In der Forstabteilung 29 des Klosterlausnitzer Reviers lag "Jansdorf". Aller Wahrscheinlichkeit sind es die Hausbrandreste am so genannten Schrägweg, die auf vier Gebäude schließen lassen. Links des Baches ist noch eine viereckige Steinanlage mit einem ovalen Lehmhügel, der seiner Form nach ein Backofen gewesen sein könnte.

Oberhalb des Läusegrundes, in den Schleifreisener Privatwaldungen lag "Rechhain". Hier sind fünf Bruchsteinhaufen, alle auf gleicher Höhe. Der Dorfteich stand im Staatsforst und ist jetzt mit Bäumen bepflanzt.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, lag im Läusegrund eine Mühle, die zu „Rechhain“ oder zu „Bleifeld“  gehörte und sicherlich auch mit diesen Dörfern wüst wurde.

Eine zweite Mühle lag zwischen dem Teich und der Bockmühle. Am Lerghang ist noch ein Bruchsteingemäuer, über welches heute nichts mehr zu erfahren ist. Ein verfallener Graben, hinter dem eigentlichen Mühlgraben der Bockmühle, lässt jedoch auf eine Mühle vermuten. Aller Wahrscheinlichkeit nach der Vorläufer der heutigen Bockmühle.

Wie schon oben gesagt, an der Straße nach Bobeck liegt "Bleifelde" , wo außer dem Ofen in der Talsenke ein Brandofen liegt, bis 20 Meter lang, 2 Meter hoch und einer Sohlenbreite von 5 – 6 Meter. Am Hang gegenüber dieses Hausrestes ist eine gefasst Quelle und Bach aufwärts, an der Staatsstraße, ist ein verlandeter Teich noch deutlich sichtbar.

Unterhalb der Bockmühle geht zwischen den Abteilungen 26 und 27 ein Fußweg bergauf. Verfolgt man diesen, stößt man auf der Höhe auf ein Gebäuderest. Auch hier ist typischer Hausbrand, Holzkohle mit Wandbewurf zu erkennen, ebenso Steine und Scherben. In einiger Entfernung sind noch 5 Brandstellen, jedoch weniger deutlich, zu erkennen. Um welches Dorf es sich hier handelt, ist zur Zeit nicht mit Sicherheit zu sagen, es könnte "Oberdorf" sein, ein Dorf am „Weißen Berg“, welches nach Schöngleina lehenspflichtig war und vor 1500 schon als Wüstung genannt wurde.

So sind rund um die Bockmühle vier Dörfer und zwei Mühlen bekannt geworden, von denen zum Teil nur die Sage berichtet. Alle Wüstungen werden urkundlich letztmalig 1500 genannt, alle sind durch Feuer vernichtet. So bleibt nur die Schlussfolgerung: Die Dörfer sind im Hussitenkrieg oder aber im Bruderkrieg 1551 untergegangen. Die umliegenden Dörfer haben die Bewohner aufgesogen und sind dabei über den Rahmen kleiner mittelalterlicher Sippendörfer hinausgewachsen.

Mitarbeiter und Helfer der Bodendenkmalpflege bei Ausgrabungsarbeiten am Bleifeld.
Mitarbeiter und Helfer der Bodendenkmalpflege bei Ausgrabungsarbeiten am Bleifeld.

Mitarbeiter und Helfer der Bodendenkmalpflege bei Ausgrabungsarbeiten am Bleifeld.
Mitarbeiter und Helfer der Bodendenkmalpflege bei Ausgrabungsarbeiten am Bleifeld.
Die Mühle im Läusegrund

Geht man von der Straße Schleifreisen – Bobeck rechts ab in den Läusegrund, führt der Weg nach 300 m zwischen zwei Erdhügeln hindurch. Der eine dieser Hügel besteht aus Holzkohle, der andere aus Bruchsteinen, mit Holzkohle und rot gebranntem Wandbewurf besetzt. Dieser Teil scheint das Wohnhaus gewesen zu sein, da es massiver gebaut und vom Mühlgraben am weitesten entfernt ist. Der flächenmäßig größte Teil davor reicht bis an den Mühlengraben. Die Holzkohle ist hier bis zu einem Meter hoch. Der Mühlgraben ist in Gebäudenähe noch recht gut zu erkennen. Er verläuft talaufwärts als versumpfter Grasstreifen bis an den 200 m entfernten Teich.

Beides, Teich und Gebäude, sind heute mit Wald bestanden. Wie alt mag die Mühle sein? Warum lag sie in dem versteckten Talgrund? In Rufweite nach Osten liegt die Wüstung "Rechhain". In Richtung Bobeck liegt die Wüstung "Bleifeld", in etwa 10 Minuten zu erreichen. Nach den Holzlandsagen von Störzner soll Bleifeld „ein stattlich Dorf im stillen Wiesengrund“ im Hussitenkrieg dem Erdboden gleich gemacht worden sein. Danach ist es schon einige hundert Jahre wüst. Rechhain wird letztmalig urkundlich 1325 als Dorf genannt.

Wenn nun die Mühle im Läusegrund zu einem der beiden Dörfer gehört hat, wie anzunehmen ist, wird sie vermutlich auch um jene Zeit untergegangen sein. Und so ist es zu verstehen, dass niemand von der Existenz dieser Mühle etwas weiß. Der Teich kurz dahinter war bekannt als zur „Bockmühle“ gehörig. Da er bis zum ersten Weltkrieg noch genutzt wurde, war er auch nicht vergessen. Seine Länge und Tiefe ist gegenüber anderen Teichen etwas ungewöhnlich, was darauf schließen lässt, dass er möglichst viel Wasser speichern sollte. Dass er einst Privatbesitz war, bezeugen die Lagsteine rings um den Teich. Zuletzt gehörte er zur „Bockmühle“, zuvor trieb er die Mühle im Läusegrund, wie der Mühlgraben beweist.

Auf die Frage, wann und wie die Wüstungen entstanden sind, werden wir nichts genaues erfahren, denn von der Besiedlung um 1100 bis 1547 sind in Thüringen nicht weniger als fünfzig mal Kriege und Fehden gewesen (zum Beispiel der „Bruderkrieg“ von 1446 – 1451. Die Kriegsvölker plünderten die Dörfer und brannten sie noch nieder. Mancher ist dabei erschlagen worden, andere sind abgewandert. So entstanden die Wüstungen in unseren Wäldern. Ob nun die Mühle im Läusegrund, Bleifeld, oder die Gebäude oberhalb der Bockmühle / Ziegenmühle, Jahn- oder Janismühle, alle sind durch Feuer niedergegangen und nach 1451 als Dörfer nicht mehr genannt.