Fremd- und Zwangsarbeiter - Einleitung

 
1. Anzahl der (bekannten) Fremd- und Zwangsarbeiter in Hermsdorf
2. In Hermsdorf ums Leben gekommene Fremd- und Zwangsarbeiter einschließlich deren Kinder.
3. Gräber und Gedenkstätten
4. Die ehemaligen Lager für Fremd- und Zwangsarbeiter in Hermsdorf.
 

Bedingt durch die Einberufung zur Wehrmacht kam es im 2. Weltkrieg zu einem immer größer werdenden Arbeitskräftemangel. Es musste daher - insbesondere für die Betriebe der Rüstungsindustrie - eine Lösung gefunden werden. Viele deutsche Arbeitskräfte wurden aus anderen Betrieben in Betriebe der Rüstung dienstverpflichtet. Doch auch diese Maßnahmen stießen bald auf ihre Grenzen.
Ein zahlenmäßig mehr ins Gewicht fallende Möglichkeit war deshalb der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte. Bereits vor einer gewaltsamen Verschleppung wurden Menschen aus anderen (besetzten) Ländern, unter Angabe nicht den Tatsachen entsprechender Versprechungen, als Fremdarbeiter nach Deutschland gelockt.

Plakat
Die ersten Fremdarbeiter kamen im März 1942 nach Hermsdorf.
Die entsprechenden Dokumente dazu werden an anderer Stelle gezeigt.

Im weiteren Verlauf wurden arbeitsfähige Männer und Frauen aus den besetzten Gebieten aus ihrer Heimat verschleppt und als Zwangsarbeiter in Industrie und Landwirtschaft eingesetzt. Einige der Zwangsarbeiter waren auch Kriegsgefangene.

Die Nazipropaganda versuchte gegenüber der Bevölkerung und dem Ausland die wahre Lage der Zwangsarbeiter zu vertuschen und einen Anschein von Humanität und Gerechtigkeit zu erwecken. Tatsächlich waren die Arbeits- und Lebensbedingungen sehr schlecht und viele verstarben an deren Folgen.
Es gab in der Behandlung auch enorme Unterschiede zwischen den verschiedenen Nationalitäten. So konnten sich französische und belgische Gefangene relativ frei in Hermsdorf bewegen. Bürger aus der Sowjetunion wurden unter Bewachung gehalten und mussten auf der Kleidung ein Erkennungszeichen "Ost" tragen.

 

1. Anzahl der (bekannten) Fremd- und Zwangsarbeiter in Hermsdorf


Aufstellung nach Werner Serfling † Lehrer:
 
UdSSR 1823 Personen
Frankreich 572 Personen
Polen 491 Personen
Belgien 314 Personen
Kroatien 186 Personen
Italien 115 Personen
Aus dem Protektorat 25 Personen
Holland 22 Personen
Staatenlos 13 Personen
Luxemburg 10 Personen
Tschechei 6 Personen
Ungarn 5 Personen
Österreich 2 Personen
Bulgarien 1 Person
Rumänien 1 Person
     
Summe 3586 Personen
 

2. In Hermsdorf ums Leben gekommene Fremd- und Zwangsarbeiter einschließlich deren Kinder.

 
Nach Alter:
    männl. weibl.
Kinder von 0 bis 1 Jahr 16 4 12
Kinder ab 1 bis 2 Jahre 16 8 8
Kinder ab 3 bis 14 Jahre 1 0 1
Jugendliche ab 15 bis 25 Jahre 9 4 5
Erwachsene 20 2 18
Nach Nationen:   
Belgien    2
Frankreich    2
Italien    2
Polen    9
UdSSR  47
Summe 62
   
Davon Kinder 0 bis 14 Jahre 33
 
Fünf der Verstorbenen wurden unter Aufsicht französischer, belgischer und russischer Offiziere Exhumiert und abtransportiert. Zwölf wurden am 07.01.1948 nach Stadtroda auf eine zentrale Gedenkstätte umgebettet. Die restlichen blieben auf dem Friedhof Hermsdorf. Nach der gesetzlichen Grundlage in der DDR waren diese Gräber zu erhalten und auf Kosten der Städte und Gemeinden zu pflegen.

PDF Sterbefälle
Dokumendation
Sterbefälle

3. Gräber und Gedenkstätten

 
Grabstätten
Grabstätte   Grabstätte   Grabstätte
Entgegen dieser gesetzlichen Regelungen wurden alle Gräber auf Veranlassung des damailigen Pfarrers durch Arbeiter der LPG Hermsdorf eingeebnet.
 
Im Jahr 2007 hatten wir an den Stadtrat von Hermsdorf einen Vorschlag eingereicht (siehe Dokumendation Sterbefälle oben) um eine zentrale Gedenkstätte für alle Opfer der Kriege und von staatlicher Gewalt zu schaffen. Dem Vorschlag stimmte der Stadtrat zu. Verwirklicht wurde auf Geheiß des Bürgermeisters dann nur eine Gedenkstätte.
OTZ vom 10.05.2010
Notwendige Bemerkungen zu obigen Ausführungen:
1. Unter den Verstorbenen waren auch Fremdarbeiter, es ist also falsch nur von Zwangsarbeitern zu sprechen.
2. Ob sich Herr Pfarrer i.R. Schlegel nicht mehr daran erinnert, dass die Gräber Mitte der 1960er Jahre auf Veranlassung des damaligen Pfarrers und entgegen gesetzlicher
     Bestimmungen eingeebnet wurden?
3. Es waren 1823, die Gesamtzahlen siehe oben.
4. Falsche Zahl, es sind 33 verstorbene Kinder, siehe Akte Stadtarchiv und Aufstellung Sterbefälle.
5. Offensichtlich haben sich Herr Pfarrer i. R Schlegel und der Bürgermeister weder abgesprochen, noch exakt mit der Materie befaßt. Die Opferzahlen sind,
     nicht zuletzt durch die genaue Buchführung der Lager, exakt bekannt.
 
Die Gedenkstelle liegt etwa 40 Meter von der Stelle entfernt, wo sich die Grabstätten der Fremd- und Zwangsarbeiter befinden.
Eigentlich hätte diese auf die Grabstätten gehört.
 

4. Die ehemaligen Lager für Fremd- und Zwangsarbeiter in Hermsdorf.

 

Ostlager (Oberndorfer Weg)
Das Ostlager wurde durch die HESCHO errichtet, bezahlt und unterhalten. Die Insassen wurden ausschließlich für Arbeiten in der HESCHO eingesetzt. Es war das größte Lager. Besetzt war es mit Fremdarbeitern (Ukraine) und Zwangsarbeitern aus Polen und Russland, später Kriegsgefangene. Die Bezeichnung Ostlager kommt von der Geographie, nicht der Besetzung. Teilweise (in geringer Zahl) wurden Insassen in „privaten“ Haushalten (Gaststätten, Bedienstete von Obrigkeiten) eingesetzt. Die Insassen aus Russland mussten als Kennzeichen ein „Ost“ an der Kleidung tragen.
Information

 

Z - Lager (Ziegeleiweg)
Das Z - Lager, auch als „Gemeinschaftslager der Kleinbetriebe“ bezeichnet, wurde durch mittelständige Betriebe errichtet, um deren Arbeitskräftemangel zu begleichen. Das Lager bestand aus 4 Baracken. Die Errichtung war mit der Grund der Enteignung der Betreiberfirmen unter sowjetischer Besatzung.
Information

 

Baracke in der heutigen Friedenssiedlung (in der DDR Heyers Bierstuben)
Östlich der Naumburger Straße.
Information

 

Baracke Holzbau Fa. Geißler (Rodaer Straße)
Am 12.11.1943 erhielt die Gemeinde Hermsdorf Antwort von der „Deutsche Arbeitsfront - Kreisverwaltung Jena - Stadtroda“ auf einen Antrag zur Erweiterung des Ostlagers. Dieser wurde abgelehnt und statt dessen ein Lager in der Firma Holzbau Geißler angeregt. Daraus entstand dann das dortige Lager. Insassen waren dort Belgier
und Franzosen.

 

Baracke (Körner Straße heute Heinrich-Heine-Straße = Kohlrabischenke).
Hier waren unter Bewachung einige russische Gefangene eingesetzt, deren Aufgabe nur darin bestand, den angefahrenen Schutt zu planieren. Bei den am 11.09.2009 neben einer Gartenlaube in der Gartenanlage "Schillerstraße" gefundenen Leichenresten besteht möglicherweise ein Zusammenhang mit dem Lager dort.

 
Lager in der ehemaligen Firma Röntgen Patzer
Ursprünglich auch für Zwangsarbeiter geplant wurde es nie als solches genutzt, sondern diente anderen Zwecken.
 

Die Baracken der Hermsdorfer Lager wurden alle von der Fa. Holzbau Geißler geliefert, die solche für die Wehrmacht (Unterkünfte, Arbeitsdienste, Lazarette usw.) herstellte.

Obwohl dies nicht von den Machthabern so vorgesehen war, kam es auch zu "humanitären Gesten". Die Fremd- und Zwangsarbeiter wurden auch für "private" Dienste (Haushaltshilfen, Gärtnerdienste u.a.) genutzt.

Nach der Befreiung ließen die Zwangsarbeiter denen, die sie gepeinigt und erniedrigt hatten, dies durch Plünderung und anderes spüren. Ein eigener Landsmann, der als Dolmetscher fungiert hatte und die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, wurde erschlagen und verscharrt.

Andere Hermsdorfer, die den Zwangsarbeitern geholfen hatten, blieben verschont, oder erhielten sogar etwas aus den Plünderungen. Die letzten ausländischen Fremd- und Zwangsarbeiter verließen Hermsdorf am 30.06.1945 und kehrten in ihre Heimatländer zurück.

Hier erwartete sie wieder ein unterschiedliches Schicksal. Bürger der westlichen Länder kehrten in ihr normales ziviles Leben zurück. Einige haben in der DDR-Zeit und noch nach der Wiedervereinigung Hermsdorf besucht. Außerdem wurden auch Bestätigungen für den Dienst als Zwangsarbeiter angefordert.

Viele der sowjetischen Bürger, die freiwillig als Fremdarbeiter nach Deutschland und auch Hermsdorf kamen, wurden nach Rückkehr in ihre Heimat sofort erschossen. Wer Glück hatte wurde erneut in Lager ein Lager gesteckt oder nach Sibirien deportiert. Zu diesen gibt es keine bekannten Rückinformationen.

 
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