Fremd- und Zwangsarbeiter im Ost-Lager

 

Bedingt durch die Einberufung zur Wehrmacht kam es im 2. Weltkrieg zu einem immer größer werdenden Arbeitskräftemangel. Es musste daher - insbesondere für die Betriebe der Rüstungsindustrie - eine Lösung gefunden werden. Viele deutsche Arbeitskräfte wurden aus anderen Betrieben in Betriebe der Rüstung dienstverpflichtet. Doch aus diese Maßnahmen stießen bald auf ihre Grenzen. Ein zahlenmäßig mehr ins Gewicht fallende Möglichkeit war deshalb der Einsatz ausländischer Arbeitskräfte. Bereits vor einer gewaltsamen Verschleppung wurden Menschen aus anderen Ländern, unter Angabe nicht den Tatsachen entsprechender Versprechungen, als Fremdarbeiter nach Deutschland gelockt. Im weiteren Verlauf wurden arbeitsfähige Männer und Frauen aus den besetzten Gebieten aus ihrer Heimat verschleppt und als Zwangsarbeiter in Industrie und Landwirtschaft eingesetzt. Einige der Zwangsarbeiter waren auch Kriegsgefangene.

Die Nazipropaganda versuchte gegenüber der Bevölkerung und dem Ausland die wahre Lage der Zwangsarbeiter zu vertuschen und einen Anschein von Humanität und Gerechtigkeit zu erwecken. Tatsächlich waren die Arbeits- und Lebensbedingungen sehr schlecht und viele verstarben an deren Folgen. Es gab in der Behandlung auch enorme Unterschiede zwischen den verschiedenen Nationalitäten. So konnten sich französische und belgische Gefangene relativ frei in Hermsdorf bewegen. Bürger aus der Sowjetunion wurden unter Bewachung gehalten und mussten auf der Kleidung ein Erkennungszeichen tragen.
Obwohl dies nicht von den Machthabern so vorgesehen war, kam es auch zu humanitären Gesten. Die Fremd- und Zwangsarbeiter wurden auch für "private" Dienste (Haushaltshilfen, Gärtnerdienste u.a.) genutzt.

 

Die ehemaligen Lager für Fremd- und Zwangsarbeiter in Hermsdorf

 

Ostlager (Oberndorfer Weg)
Das Ostlager wurde durch die HESCHO errichtet, bezahlt und unterhalten. Die Insassen wurden ausschließlich für Arbeiten in der HESCHO eingesetzt. Es war das größte Lager. Besetzt war es mit Fremd-, Zwangsarbeitern aus Polen, und Russland, später Kriegsgefangene. Die Bezeichnung Ostlager kommt von der Geografie, nicht der Besetzung. Teilweise (in geringer Zahl) wurden Insassen in „privaten“ Haushalten (Gaststätten, Bedienstete von Obrigkeiten) eingesetzt. Die Insassen aus Russland mussten als Kennzeichen ein „Ost“ an der Kleidung tragen.

 

Die Baracken der Hermsdorfer Lager wurden alle von der Fa. Holzbau Geißler geliefert. Diese stellte Baracken für solche Zwecke, für die Wehrmacht (Unterkünfte, Arbeitsdienste, Lazarette usw.) her.

Nach der Befreiung ließen die Zwangsarbeiter denen, die sie gepeinigt und erniedrigt hatten, dies durch Plünderung und anderes spüren. Ein eigener Landsmann, der als Dolmetscher fungiert hatte, wurde erschlagen und verscharrt. Andere Hermsdorfer, die den Zwangsarbeitern geholfen hatten, blieben verschont, oder erhielten sogar etwas aus den Plünderungen.

Die letzten ausländischen Fremd- und Zwangsarbeiter verließen Hermsdorf am 30.06.1945 und kehrten in ihre Heimatländer zurück. Hier erwartete sie wieder ein unterschiedliches Schicksal. Bürger der westlichen Länder kehrten in ihr normales ziviles Leben zurück. Einige haben nach der Wiedervereinigung Hermsdorf besucht und suchten die Leidensstätten auf. Viele der sowjetischen Bürger wurden nach Rückkehr in ihre Heimat sofort erschossen, besonders Fremdarbeiter, die „freiwillig“ nach Deutschland gekommen waren. Andere wurden erneut in Lager gesteckt oder nach Sibirien deportiert.

 
Ostlager

Das Ostlager

Der Name hat geografischen Ursprung (im Osten von Hermsdorf gelegen).

Das ehemalige Ostlager in einer Skizze, zur Zeit der Übernahme durch die LPG Hermsdorf.

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