Chronik: Porzellanfabrik - HESCHO - KWH - Tridelta 1890 bis 1910 1911 bis 1930 1931 bis 1945 April 1945 Mai bis 1965 1966 bis 1989 1990 bis heute
www.hermsdorf-regional.de © Stefan Lechner mit freundlicher Unterstützung von:
Friedmar Kerbe, Dr. Stefan Serfling, und dem Verein für Technik- und Regionalgeschichte
06.01.1890
Unter dem Namen „Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf - Klosterlausnitz“ nahm mit 81 Beschäftigten der größte Betrieb von Hermsdorf die Produktion auf. In 10 Rundöfen wurde Haushaltsgeschirr hergestellt. Neben dem Werk entstand bis zu dessen Eröffnung die „Villa Koch“, als Wohnsitz für den ersten Direktor Hermann Koch sowie das Familienhaus (näheres siehe 1963/64) in der Naumburger Straße, als Betriebswohnung für Mitarbeiter der Fabrik. Voraussetzung für die Standortwahl war eine gute verkehrstechnische Anbindung (Eröffnung der Eisenbahnlinie Gera - Weimar im Jahr 1876 - der Betrieb bekam ein eigenes Anschlussgleis), Rohstoff Holz in ausreichender Menge und Arbeitskräfte vor Ort.
 
Porzellanfabrik Hermsdorf
Darstellung der Porzellanfabrik Hermsdorf um 1915. Die Perspektive dieser gezeichneten Darstellung entspricht nicht der Wirklichkeit. Gemälde, Zeichnungen und Stiche dieser Art entsprachen damaligen Zeitgeist. Dies sieht man auch sehr oft auf ähnlichen Postkarten. Trotzdem zeigt das Bild eine enorme Genauigkeit zu den Einzelobjekten.

Die Nummern auf dem Bild oben bedeuten:

  1. Bahnhofsbrücke - erbaut mit Eröffnung der Bahnlinie 1875/76
  2. Kaiser Friedrich III Denkmal
  3. Erstes Prüffeld auf dem Dach errichtet 1901-1907
  4. "Thüringer Hof" (Schürze), darunter das Haus mit Türmchen die Villa Koch, später Wohn- und Verwaltungshaus, ab 1949 Kulturhaus "Völkerfreundschaft", heute Wohn- und Geschäftshaus.
  5. heute Apotheke
  6. Haus Schlegel
  7. ehemals Wohnvilla, Nachtsanatorium, Kinderklinik, heute China - Restaurant
  8. ehemals Verwaltungsgebäude, 1949 - 1989 Betriebspoliklinik, heute Wohn- und Geschäftshaus
  9. Bahnhofstraße (geht von 1 bis 12)
  10. Häuser in der Schillerstraße
  11. Eckhaus Schillerstraße, ehemals Gewerbebank, Sparkasse, heute Wohn- und Geschäftshaus
  12. Rathaus
  13. Häuser der Naumburger Straße
  14. Versuchs- und Prüffeld 1913 errichtet, am 04.11.2000 nach Umbau feierlich als neues Stadthaus übergeben
  15. Familienhaus (nicht 30-Familien-Haus = Am neuen Haus / Roter Strumpf), stand direkt an der Bahnlinie
  16. Schornstein des Dampfsäge- und Dampfhobelwerkes Acker
  17. Bahnlinie Gera (nach links) - Weimar
Einen Vergleich zum obigen Bild geben die beiden Fotos unten.
 
Die Aufnahme unten zeigt den Blick auf das ehemalige Betriebsgelände heute. Völlig verändert, aber noch vorhanden, sind nur noch das ehemalige Kulturhaus, ganz links hinter den Bäumen, das Versuchsfeld heute Stadthaus (Mitte rotes Dach) und ein kleiner Teil der Gebäude an der Bahnlinie (hinter Brückencenter) heute Porzellanwerk.
 

Auf der Vergrößerung des Bildes oben ist das Signum des Malers zu erkennen. Es handelt sich um den Otto Bollhagen aus Bremen. Seine Spezialität war die Malerei von Fabriken und Stadtbildern. Sein Enkel Peter Bollhagen führt die Firma in seinem Sinne und mit heutigen Möglichkeiten weiter.
Zur Person des Malers und der Geschichte der Firma Otto Bollhagen können Sie auf der Internetseite der Firma Bollhagen nachsehen.

 

16.12.1890
Hermann Koch wurde zum Generaldirektor ernannt. Er fühlte sich im Amt des Generaldirektors jedoch nicht wohl und schied bereits am 21.12.1891 aus dem Vorstand aus. Als erster und einziger Direktor bewohnte er die Villa, die nach ihm benannt wurde. Sein Nachfolger Arke entschied sich für den ruhigeren Wohnsitz in Klosterlausnitz. Die Villa Koch wurde zum Wohn- und Verwaltungshaus umgebaut.

Haushaltporzellan um 1890
Mustervorlagen für Haushaltgeschirr aus der Produktion des Hermsdorfer Porzellanwerkes

Porzellan aus der Produktion der Porzellanfabrik Hermsdorf   Porzellan aus der Produktion der Porzellanfabrik Hermsdorf
Tasse aus der Produktion des Porzellanwerkes Hermsdorf

1890 bis 1936
Fachkräfte wurden im ehemals größten Betrieb von Hermsdorf bereits mit dessen Errichtung benötigt. Man griff zunächst auf vorhandene aus Hermsdorf und den umliegenden Orten zurück. Weitere führte man aus Betriebsschließungen / Umstrukturierungen zu. Zum Beispiel kamen in den 1920er Jahren zahlreiche Arbeiter aus der „Margarethenhütte“ Großdubrau nach Hermsdorf. Auch wurden notwendige Facharbeiter für die Produktion und Verwaltung herangebildet. Dies erfolgte aber in der örtlichen Gewerblichen Berufsschule, die Praxis auch zum Teil im Betrieb (Chronik der BBS).

1891
Die ersten Porzellanmaler des Porzellanwerkes wurden in einem Foto für die Nachwelt erhalten.

Erste Porzellanmaler

1892
Im Porzellanwerk begann die Umstellung der Produktion auf technische Keramik. Es entstanden die Anfänge einer Industrieforschung. Durch die Zuwanderung dringend benötigter Arbeitskräfte wuchs die Einwohnerzahl von 1750 auf 3150 im Jahre 1910. Die Geschirr-Produktion wurde noch bis 1910 weitergeführt. Beginn der Produktion von Isolatoren, z. B. dem Öl-Isolator.

05.09.1892
Oskar Arke und Carl Boßler wurden zu Prokuristen der Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf ernannt. Sie durften Verfügungen nur gemeinschaftlich mit einem Direktor oder Prokuristen treffen. In direkter Nachfolge für Hermann Koch wurde 1892 durch Geheimrat Gustav Strupp vom Bankhaus B. M. Strupp in Meiningen Oscar Arke an die Spitze des Hermsdorfer Unternehmens berufen.

Isolator Nummer 1

1893
Erste Hochspannungsisolatoren mit zylindrischem Mantel wurden produziert.


Das Herzogliche Tafelservice mit Motiven der Porzellanfabrik Hermsdorf

Seit Januar 2007 ist im Rittersaal der Leuchtenburg wieder das einzigartige Herzogliche Tafelservice ausgestellt. Das Tafelservice des Herzogs Ernst I. von Sachsen-Altenburg und seiner Ehefrau Herzogin Agnes von Anhalt-Dessau entstand in der Zeit von 1895 bis 1898 in der Porzellanfabrik Fraureuth. Jedes Stück ziert das Doppelwappen von Sachsen-Altenburg und Anhalt-Dessau. Alle Teile des Tafelservice sind mit von Hand gemalten Veduten in hoher künstlerischer Qualität versehen. Die Motive zeigen die Gesamtansicht von Städten und Dörfern, Straßenansichten, Schlösser, Rittergüter, Wohnhäuser, Forsthäuser und Denkmäler aus der Region. Heute umfasst das Service nur noch 96 Teile. Davon 69 Stück mit Motiven aus dem Westkreis und 25 Teile mit Veduten aus dem Ostkreis (Man geht von ehemals 250 Serviceteilen aus.). Dazu gehören noch eine Fruchtschale mit dem großen Allianzwappen sowie eine Pfeffer-Salz-Menage ohne Vedute. Mehrere der dargestellten Rittergüter, Schlösser und Forsthäuser sind bereits abgerissen. Für die Denkmalpflege sind diese Abbildungen von besonderem kulturhistorischem Wert. 1999 tauschen das Stadtmuseum Jena und das Museum Leuchtenburg aufgrund der Kreisreform die Sammlung 1806 in Cosepda gegen das Herzogliche Service und die Ahnengalerie der Herzöge von Sachsen-Altenburg, die jetzt den Rittersaal schmücken.

 

Tafelservice mit der Abbildung der Villa Koch    Tafelservice mit der Abbildung des Porzellanwerkes
Teile des Tafelservice von Herzog Ernst I.
Links die "Villa Koch" der Porzellanfabrik Hermsdorf, rechts Fabrikgebäude des Werkes.


26.08.1894
Die Porzellanfabrik Kahla, zu der die Porzellanfabrik Hermsdorf gehörte, feierte das 50jährige Betriebsjubiläum.

Die Porzellanfabrik Kahla, zu der die Porzellanfabrik Hermsdorf gehörte, feierte das 50jährige Betriebsjubiläum.
Das festlich geschmückte Werk der Porzellanfabrik Kahla.

Die Porzellanfabrik Kahla, zu der die Porzellanfabrik Hermsdorf gehörte, feierte das 50jährige Betriebsjubiläum.
Festumzug zum 50jährigen Jubiläum am 28.06.1894 der Porzellanfabrik Kahla.

Die Porzellanfabrik Kahla, zu der die Porzellanfabrik Hermsdorf gehörte, feierte das 50jährige Betriebsjubiläum.
Betriebsleitung und Gäste zum 50jährigen Jubiläum am 28.06.1894 der Porzellanfabrik Kahla.
In heller Hose und Reitstiefenl Direktor Johann Bünzli (*04.12.1854 † 18.01.1903 - lebte in der Villa Parnitzberg 1 in Kahla), rechts Herr mit Vollbart damaliger Prokorist Pötzler
weiter rechts in 2. Reihe, rundes Gesicht Direktor Hoke vor ihm in 1. Reihe Rentier Theodor Koch, Bruder des neben
ihm stehenden Kommerzienrat Hermann Koch, rechts neben diesen mit grauem Vollbart Bürgermeister Meyer,
dann Louis Struffer x Kommerzienrat Dehnie links von Direktor Johann Bünzli stehen: Fam. Prok. Bolbrinker,
Kommerzienrat Heinrich Zwickau dann aus dem Büro: Brock, Just, Curth& großer Herr mit Vollbart Brensch, Döhlau
.

1897
Erfindung der bekannten Delta-Glocke Nr. 358 in Zusammenarbeit mit Prof. Robert M. Friese.


Die weitere Entwicklung der Delta-Glocke von 1898 bis 1920.

1900
Der Strupp - Konzern trat dem Preiskartell im „Verein Deutscher Porzellanfabriken“ bei.

1901
Das erste Hermsdorfer Prüffeld wurde ab 1901 auf einem Dach errichtet. Es wurde ab 1905 bis 1907 zu einem Versuchsfeld für Hochspannungs-Isolatoren am Standort des heutigen Stadthauses ausgebaut.

1. Freiluftsversuchsfeld von 1901
Das 1. Freiluftversuchsfeld von 1901 - 1907 auf dem Dach.
Rechts vom Gebäude ist der Lagerplatz des Dampfsäge- und -hobelwerkes Acker und die Bahnhofsbrücke erkennbar.
Im Erdgeschoss des Fabrikgebäudes befand sich von 1936 bis 1945 die Betriebsberufsschule der HESCHO.
Nach der Wende war es eines der ersten, das der Abrissbirne zum Opfer fiel.
1. Freiluftsversuchsfeld von 1901  1. Freiluftsversuchsfeld von 1901

1903
Dr. Ing. William Weicker wurde zum Leiter des Versuchsfeldes berufen. Er war bis 1946 im Betrieb tätig.

1904
Herausgabe der ersten wissenschaftliche Monografie zum Werkstoff Elektroporzellan: „Das Porzellan als Isolier- und Konstruktionsmaterial in der Elektrotechnik“. Autor war Prof. Dr. Robert Friese.

23.11.1905
In der Aula der TH Charlottenburg wurde aus einer kleinen Porzellankanone ein denkwürdige Schuss abgefeuert wurde, dem unter namhaften Persönlichkeiten auch Kaiser Wilhelm II. beiwohnte. Damit wurden die Eigenschaften des Werkstoffes Porzellan mit der in Hermsdorf hergestellten Kanone anschaulich dargestellt. (Ausführlicher Beitrag)

12.04.1907
Die Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf ernannte weitere Vorstandsmitglieder, dies waren Direktor Dr. Heinrich Lange und Kaufmann Oskar Fischer. Gleichzeitig erlosch die Prokura des Dr. Heinrich Lange.

1908
Dr. Ing. eh. Friedrich Scheid begann im Prüffeld und wirkte dort bis 1912, wechselte dann nach Großdubrau zur Porzellanfabrik H. Schomburg & Söhne A. G.  „Margarethenhütte“ und kehrte 1922 nach Hermsdorf zurück. Bis 1949 war er Generaldirektor der HESCHO.

1908
Fertigung von Stützisolatoren 35 kV (3-Mantel-Isolatoren).

1910
Vollständige Produktionsumstellung auf elektrotechnische und chemische Porzellanprodukte und Entwicklung spezieller Chemieporzellane.

21.05.1910
Heinrich Schröder in Kahla erhielt Prokura der Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf. Er durfte nur mit einer weiteren zeichnungsberechtigten Person Entscheidungen treffen.

Seitenanfang