Kriegerdenkmal für die Gefallenen und Vermissten des 1. Weltkrieges

 

Nach einem Protokoll des Ausschusses zur Errichtung des Ehrenmales von 1930 überarbeitet und ergänzt von Stefan Lechner

 

Noch während des 1.Weltkrieges wurde in Hermsdorf der Gedanke gefasst, ein Denkmal für die im Krieg gefallenen und vermissten Hermsdorfer zu schaffen. Noch vor Kriegsende wurde im Jahre 1917 geplant, diese durch ein Hochkreuz auf dem heutigen Friedhof zu ehren. Dieses Kreuz war als Abschluss der großen Allee neben dem Erwachsenengrabgarten gedacht. Die Ausführung des damals neuen Friedhofs ließ lange Zeit auf sich warten. Deshalb wurden andere Pläne gefasst.

Zunächst wurde im Militär- und Kriegerverein zu Hermsdorf die Erstellung eines Ehrenmals an der Ecke des Kirchgartens, zwischen Kirchgasse und Schulstraße erwogen. Dies führte zu einer Eingabe an den Kirchenvorstand, welcher am 08.12.1921 verhandelt wurde. Im Ergebnis der Verhandlung wurde die Angelegenheit dem damaligen Kunstwart der evangelischen Kirche Thüringes, dem Geheimen Baurat Wanekel (Altenburg) zur Begutachtung unterbreitet. Nach Prüfung sprach sich dieser gegen Planung aus und bemängelte den ungünstigen Hintergrund des Denkmals.
Im Kirchenvorstand wurde am 27.04.1922 beschlossen, die Kriegerehrung in Form von Gedächtnistafeln, mit den Namen aller Gefallenen und Vermissten im Altarraum der Kirche anzubringen. Dieser Beschluss wurde bei Erneuerung des Kirchinneren im Jahre 1923 in würdiger Weise ausgeführt. Auf alten Fotos und Postkarten sind die Tafeln zu erkennen.

Die Tafeln, oben am ehemaligen Standort in der Kirche
Die Tafeln, am ehemaligen Standort in der Kirche (Foto oben).
Sie wurden beim Umbau der Kirche 1972 entfernt und auf dem Boden eingelagert (Fotos unten).
Unsere Forschungen haben ergeben, dass diese Tafeln nicht alle Opfer des 1. Weltkrieges aus Hermsdorf enthalten.
Es gab noch weitere Opfer, die erst später bekannt wurden.
Gedächtnistafel  Gedächtnistafel  Gedächtnistafel  Gedächtnistafel  Gedächtnistafel  Gedächtnistafel

Diese Lösung befriedigte aber die Mitglieder des Militär- und Kriegervereines nicht. Dort strebte man nach wie vor eine leicht zugängliche und allen sichtbare Ehrung, mitten in Hermsdorf an. Dem Vorstand des Militär- und Kriegervereines gelang es, in den folgenden Jahren einen großen Teil der Vereine am Ort zu einem Denkmalsausschuss zusammen zu schließen. Zur Finanzierung des Projektes verkaufte man Bausteine und organisierte verschiedene Unterhaltungsabende. Diese brachten aber zunächst noch nicht den gewünschten Erfolg. Es fehlte nicht nur an der Spendenbereitschaft der Bürger Hermsdorfs. Bereits bei der Aufstellung der Ehrentafeln im Altarraum der Kirche hatten sich Sozialdemokraten im Orte ablehnend geäußert und das Projekt verzögert.
Es fehlte ein Plan, welcher durch eine künstlerische Wertschätzung und durch befriedigende Lösung der Platzfrage zum Erfolg führen konnte. Daher wandte sich der Ausschuss an Professor Hosäus (Berlin), den Kunstwart der Kriegervereine. Professor Hosäus empfahl einen Platz zwischen Kirche und Pfarrei, unmittelbar neben der Linde im Kirchgarten und entwarf die Statue eines trauernden Kriegers am Grab, eines Kameraden vor einem Obelisken von etwa drei Meter Höhe. Ort und Art dieses Entwurfes fanden keine Zustimmung.
Erst als der Vorsitzenden des Ausschusse, Fabrikdirektor Petzsch, den Bildhauer Josef Heise (Weimar), für das Vorhaben gewann, war der Bann gebrochen. Die Sache ging nun ihrer Vollendung entgegen. Der Entwurf wurde ausgestellt und fand allgemeinen Beifall im Orte. Jetzt erfolgte nicht nur eine Ergänzung des Ausschusses um einige weitere Vertreter bürgerlicher Vereine, sondern es flossen nun auch genügend Mittel. Insbesondere erklärte sich der Kirchenvorstand bereit, 2500 RM zur Errichtung des Males und zur Herrichtung des Kirchgartens im geplanten Sinne zu spenden. Ferner verpflichteten sich 26 Mitglieder des Ausschusses und andere Einwohner Hermsdorfs, so lange laufende Zuschüsse zur Finanzierung des Ehrenmal zu geben, bis das Werk vollendet sei. Weitere, teils größere Spenden, konnten verbucht werden.

Das Standbild wurde in Auftrag gegeben und zu dem außerordentlich billigen Preise von 3000 RM nebst den Widmungstafeln im Herbst 1929 nach Hermsdorf geliefert. Schwierigkeiten machte die Beschaffung des Sockels und der Treppenanlagen. Man musste sich hier auf Oberndorfer Sandstein beschränken, da Ehringsdorfer Kalkstein als zu teuer erschie. Auch die Mauern vor der Terrasse und an der Schulstraße wurden vorläufig eingespart. Die überaus kritische wirtschaftliche Lage des Ortes und die ablehnende Haltung des Gemeinderats von Hermsdorf zwangen zu diesen Beschränkung. Im Herbst 1929 wurde das Fundament des Denkmales errichtet. Am Montag, dem 12.05.1930 wurde der erste Stein des Sockels gelegt.

Steinmetzarbeiten                  Karl Gäbler - Oberndorf
Maurerarbeiten                       Bauunternehmer Franz Sachse - Hermsdorf
Gärtnerischen Arbeiten         Gärtnereibesitzer Wilhelm Berke - Köstritz
Bauleitung                              Architekten Müller - Klosterlausnitz.

Das Ehrenmal kostete insgesamt: ca. 8700 RM. Am 01.06.1930 wurde das Ehrenmal geweiht.

Artikel vom Dezember 1929 zur bevorstehenden Einweihung.
Artikel vom Dezember 1929 zur bevorstehenden Einweihung.

Der Bildhauer Josef Heise (Weimar) bei der Arbeit.
Der Bildhauer Josef Heise (Weimar) bei der Arbeit.

1930 - Einweihung durch Militärverein Hermsdorf
1930 - Einweihung durch Militärverein Hermsdorf

1930 - Einweihung durch Militärverein Hermsdorf
1930 - Einweihung durch Militärverein Hermsdorf


1931

Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche
Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche

Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche           Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche
Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche

Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche
Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche

Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche
Blick auf das Denkmal vor der St. Salvator Kirche


1. Mai 1933 - Pflanzen einer Hindenburg- und Hitler-Eiche am Kriegerdenkmal.
1. Mai 1933 - Pflanzen einer Hindenburg- und Hitler-Eiche am Kriegerdenkmal.
1. Mai 1933 - Pflanzen einer Hindenburg- und Hitler-Eiche am Kriegerdenkmal.

1. Mai 1933 - Pflanzen einer Hindenburg- und Hitler-Eiche am Kriegerdenkmal.
1. Mai 1933 - Pflanzen einer Hindenburg- und Hitler-Eiche am Kriegerdenkmal.

Denkmal

Denkmal

Blick von der St. Salvator Kirche auf Denkmal und die heutige Friedensschule.
Blick von der St. Salvator Kirche auf Denkmal und die heutige Friedensschule.

 

Der damalige Gemeinderat von Hermsdorf dachte bereits am 12.03.1946 erstmals über einen Abriss des Denkmales nach. Am 26.05.1951 beschloss der Gemeinderat die endgültige Beseitigung des Denkmals der Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges von 1871 und 1872 und des 1. Weltkrieges. Der Abriss erfolgte im Jahr 1955. Der Sockel blieb noch bis in die 1960er Jahre stehen und wurde dann entfernt.

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