Chronik von Hermsdorf / Thüringen 1150 bis 1899

 

1150 - 1600

  • 1150 - Etwa um diese Zeit wurde das Holzland von Franken aus besiedelt.
  • 1173 - Auf einem geheimen Hoftag, der den Umständen nach nur im späteren Gasthof „Zum Schwarzen Bär“ stattgefunden haben konnte, enthob Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) den König von Böhmen seiner Würde.
    Aus den wissenschaftlichen Arbeiten von Karl Pertz und Giesebrecht, zwei Historiker des 19. Jahrhunderts, die sich um die Erforschung des deutschen Mittelalters verdient gemacht haben, ist zu entnehmen, dass das in einer Urkunde erwähnte „Ermiendorf“ mit Hermsdorf heute Thüringen identisch ist. Die Urkunde besagt, dass 1173 auf dem Hoftag in „Ermiendorf“ Kaiser Friedrich I. den König von Böhmen seiner Würde entsetzt und das Herzogtum an Sobeslaw gab. Es kann sich also beim Hoftag von 1173 nur um ein Hermsdorf handeln, das weit genug entfernt liegt, um Altenburg oder die Kaiserpfalz Kayna auszuschließen, das aber im Hinblick auf die fehlenden Eintragungen in den Reiseberichten des Kaisers wiederum nahe genug liegt. Der Zeitraum der fehlenden Eintragungen ist aber nur so gering, sodass Pertz und von Giesebrecht daraus schlossen, dass mit "Ermiendorf" nur das Hermsdorf bei Eisenberg gemeint ist, da sich Friedrich I. mit seinem Gefolge (aufgrund der damaligen Verkehrssituation) nicht sehr weit entfernt haben konnte. Bei den benutzen Straßen konnte es sich nur um die Regensburger Handelsstraße sowie die Köstritzer Straße handeln.
    In der historischen Romanreihe "Das Geheimnis der Hebamme", "Die Spur der Hebamme", "Die Entscheidung der Hebamme" führt die Schriftstellerin Sabine Ebert die Leser in die Zeit Kaiser Barbarossa. Die drei Bücher beruhen auf historischen Hintergründen, die von der Autorin recherchiert wurden. Sie beschreibt, wie Ende des 12. Jahrhunderts Siedler durch den dunklen Wald zogen, um Land östlich von Saale und Elbe zu erschließen, und wie das erste Silber im Erzgebirge gefunden wurde, während sich weltliche und geistliche Fürsten gegen Heinrich den Löwen auflehnten, den mächtigen Herzog von Sachsen und Bayern und Freund des Kaisers. Im 2. Band beschreibt Ebert auch den Hoftag von 1173. Sie ging aber zunächst falsch davon aus, dass das Hermsdorf S.A. in Sachsen liegt und verkannte, dass S.A. die Beschreibung für Sachsen Altenburg bedeutete.
    Aus den Ausführungen der beiden Historiker Pertz und Giesebrecht, untermauert durch der Romanrecherchen der Autorin Sabine Ebert, kann man schließen, dass die Schenkungsurkunde von 1256 nicht die erste ist, in der Hermsdorf erwähnt wurde.
    Der (geheime) Hoftag von 1173 kann dann nur in der Ausspanne und späteren Gaststätte „Zum Schwarzen Bär“ stattgefunden haben.
  • 10.01.1256 - Weitere bekannte urkundliche Erwähnung von Hermsdorf. Das Dorf Hermsdorf wurde in dieser Urkunde verschenkt, muss also bereits länger existiert haben. Nach dieser Urkunde von 1256 wurde es aus dem Besitz Gottfried von Kirchberg vom Markgrafen Heinrich dem Erlauchten von Meißen dem Kloster zu Lausnitz geschenkt.
  • 1277 - Das Kloster zu Lausnitz hatte die Gerichtsbarkeit über alle seine im Eisenberger Amt liegenden Dörfer, außerdem waren sie persönliches Eigentum des Klosters. Todesurteile und Verstümmlungen wurden durch die landesherrlichen Gerichte bzw.. den Voigt von Eisenberg, dem weltlichen kaiserlichen Beamten, ausgesprochen. Die Vollstreckung der Urteile erfolgte durch das Kloster. Frone mussten an das Kloster geleistet werden, aber auch beim Klosterbau und beim Kirchenbau selbst mussten die Bauern Spannfuhren als Frone durchführen.
  • 1378 - Aus einem Auseinandersetzungsvertrag der Landgrafen Friedrich, Wilhelm und Baltasar war ersichtlich, dass schon eine Geleiteinnahmestelle bestanden haben muss.
  • 12. / 13. Jahrhundert - Die Stadtoberhäupter verlangten nach der Vergabe eines aus Ruf- und Familiennamen bestehenden Gesamtnamen, um Einwohner besser registrieren zu können. Eine weitere Ursache für die Verwendung differenzierender Namen dürfte darin zu sehen sein, dass oftmals innerhalb einer Familie der Rufname von Generation zu Generation weitergegeben wurde, sodass hier präzisierende Kennzeichnungen notwendig wurden.
  • 14. / 15. Jahrhundert - Der kontinuierliche Gebrauch des gleichen Bei- bzw. Familiennamens setzte sich durch.
  • 1485 - In einem Bericht des Voigt Münch zu Würghausen wurde die Geleiteinnahmestelle Hermsdorf erwähnt, der die Geleite in Mörsdorf, Lausnitz und Weißenborn unterstellt waren.
  • 1499 / 1500 - Der Gasthof „Zum Schwarzen Bär im grünen Walde“ wurde wieder erwähnt. Er war die bedeutendste Einkehrstätte (Ausspanne) und auch die erste Gastwirtschaft hier in Hermsdorf. Der Wirt galt als der mächtigste Mann im Dorf.
  • 1521  - Hermsdorf zählte 18 Häuser und hatte etwa 90 Einwohner. Der Ort wuchs, große Güter wurden gespalten und neue Häuser aufgebaut. Die Gemeinde sah sich genötigt, in ihrem kleinen Gotteshaus, der alten Kirche, mehr Raum zu schaffen. Im ältesten Erbzinsbuch des Amtes Eisenberg waren die Bauern namentlich angeführt, die dem Amt und dem Kloster zu Lausnitz als „Hand- oder Pferdefröner“ verpflichtet waren. Die Grundstücke hatten die Bauern als Gelänge an Feld, Wiese und Wald vom Kloster als "Lehen" erhalten.
  • 1529 - Ersterwähnung der St. Salvator Kirche Hermsdorf. In diesem Jahr wurden in Hermsdorf 17 Bauern erwähnt, welche dem Pfarrer Decem gaben:
    - Nicol Fischer,
    - Hans Harris,
    - Merten Walter,
    - Urban Gebler,
    - Hans Symon,
    - Jobst Lonnser,
    - Jobst Plotner,
    - Hans Hofmann,
    - Hans Kargs,
    - Erhard Wetzel,
    - Jobst Fischer,
    - Hans Hase,
    - Nicol Hopf,
    - Nicol Lonnser,
    - Mathes Baum,
    - Jobst Harris und
    - Hans Mattes.
  • 1529 - 1568- Balthasar Poel (oder auch Buhel) war Pfarrer in der St. Salvator Kirche Hermsdorf.
  • 1542 - Hermsdorf bestand aus 18 Bauerngehöften mit 22 Häusern.
  • 1544 - Erste urkundliche Erwähnung einer Schule in Hermsdorf.
  • 1547- Nach dem Türkensteuerregister des Amtes Eisenberg waren in dieser Zeit folgende Namen in Hermsdorf vorhanden:
    - Peter Fogel,
    - Lorntz Fogel,
    - Nikel Fischer,
    - Nickel Geyte,
    - Urban Gebler,
    - Hans Gebler,
    - Jobst Harrisch, 
    - Nickel Hopf,
    - Maths Hase,
    - Hans Hase,
    - Ulrich Meister,
    - Kirchner,
    - Nickel Lonser,
    - Jopst Plotner,
    - Jacof Otto,
    - Hans Riedel,
    - Jopst Riedel,
    - Christofel Riedel und
    - Jopst Winkle.
  • 1557 - Zehn Jahre nach dem Türkensteuerregister von 1547 tauchten nach dem Kirchensteuerregister die gleichen Namen auf (gelegentlich kleine Abweichungen in der Schreibweise), obwohl sich die Anzahl der Einwohner vergrößerte. So gab es 1557 folgende Namen in folgender Anzahl:
    2 mal Harras, Schnellhammer, Otto, Wetzel und  Brombs
    3 mal Riedel und Fogel
    3 mal Plotner
    4 mal Hopfe, Bauer, Friedrich, Winkler, Gebler, Hoffmann und Pressler.
  • 1568 - Das Türkensteuerregister wurde erstmals alphabetisch ge­ordnet, da die Häufigkeit von einzelnen Namen dies verlangte. So gab es 1568 folgende Familiennamen in Hermsdorf:
    - Blumentritt - Broms - Boehle - Dopfer - Focke,
    - 2 mal Friedrich, Harnisch, Hase, Hirsch, Vogel (*)
    - 3 mal Gebler, Hoffmann, Riedel, Schnellhammer, Staps, Wetzel, Winkler, Plottner, Prosser (*)
    - 4 mal Hopf, Lippold, Meussel, Otto
    (*) Schreibweisen einzelner Namen variieren von Aufzeichnung zu Aufzeichnung aufgrund fehlender Rechtschreibungsregeln.
  • 1583 - Zu den bisher gebräuchlichen Familiennamen in Hermsdorf kamen nur vereinzelt neue dazu, es variiert hauptsächlich die Anzahl der bekannten Namen:
    - 2 mal Broms, Baum, Büchner, Friedrich, Hase, Hoffmann, Kemnitz, Keil, Meussel, Otto, Pohl
    - 3 mal Riedell, Schnellhammer, Staps, Schilling, Voigt
    - 4 mal Harnisch, Hopf, Wetzel
    - 5 mal Plothner, Gebler
  • 1589 - Der Kirchturm der St. Salvator Kirche erhielt eine neue Turmuhr. Das alte Uhrwerk wurde 1590 für 30 Gr. verkauft.
  • 1854 - Erste Belege, die das Maibaumsetzen zunächst mit einer Birke, später in der noch heute üblichen Form bestätigen.
  • 1592 - Der Kirchturm der St. Salvator Kirche wurde repariert, das Dach erhielt neue Ziegel, alle vier Seiten wurden mit Schiefer gedeckt.
  • 1595 - Urban Gäbler verwendete 20 Stämme, später nochmals 9 Stück, zu seinem Mühlenbau. Es ist zu vermuten, dass das kleine Mühlenwerk im 30-jährigen Krieg verwüstet wurde. Beim Bau der Wasserleitung zum neuen (heutigen) Friedhof fand man in der Nähe des Baches eine alte Mühlenwelle.

ab 1600

  • Die St. Salvator Kirche wurde großzügig umgebaut, um Raum für eine Empore zu schaffen. Gleichzeitig erfolgten auch Arbeiten am Dachstuhl.
  • 1610 - Hermsdorf bestand aus 50 Häusern. Die St.-Salvator-Kirche erwarb Land für einen neuen Friedhof außerhalb des Ortes in der heutigen Geraer Straße.
  • 1612 - Aus diesem Jahr sind die Standorte verschiedener Mühlen überliefert. Eine "Mühle" stand an der Rauda, eine weitere im "Loch" in der Nähe des heutigen Bades. Eine Windmühle gab es zwischen Hermsdorf und Schleifreisen auf der so genannten "Windmühlenhöhe".
  • 1618 bis 1648 - der 30-jährige Krieg hatte auch erhebliche Auswirkungen auf Hermsdorf.
  • 1620 - Laut Steuerregister von 1620 gab es in Hermsdorf folgende Familiennamen:
    - 1 mal Beer, Clauder, Deißler
    - 2 mal Harnisch, Hase, Kemnitz, Kreuch, Keiser, Meußel, Rudel,, (ehem. Riedell), Schuhmann,    Schultheiß, Sturm
    - 3 mal Gebler, Meinhardt, Pohl
    - 4 mal Schneider, Samtrock, Wetzel
    - 8 mal Hopf(e), Plothner, Preßler
  • 1620 - Hermsdorf besaß 52 Häuser, in denen 53 Familien wohnten, aufgezeichnet waren nur 22 verschiedene Familiennamen. Die Häufigkeit der Namen führte von Beginn an zur Vergabe von Spitznamen zur Unterscheidung der einzelnen Personen, die von Generation zu Generation vererbt wurden.
  • 08.06.1632 - Es wurde ein Befehl erlassen, wonach jeder Hausbesitzer, der eine Waffe aufbewahrte, bei einem Aufgebot zu erscheinen hatte, oder ein anderer Mann geschickt werden musste. Bei Wolfs- und Raubtierjagten mussten die Hausbesitzer ebenfalls zur Verfügung stehen.
  • 1642 - Hermsdorf bestand aus 68 Häusern und hatte über 300 Einwohnern.
  • Um 1646 - Der abgebrannte Gasthof „Zum Schwarzer Bär“ wurde auf den alten Grundmauern neu aufgebaut.  Ursprünglich reichte das Grundstück bis zur heutigen Schulstraße und die Ortsstraße führte direkt durch den Hof des Gasthauses, Gastwirt zu dieser Zeit war Nicel Dammrich.
  • 1650 - Die Einwohnerzahl war weiter gestiegen und lag bei 300 bis 400. In der St. Salvator Kirche erfolgte der Einbau der 2. Empore.
  • 1650 / 1655 - Das Schirrmachergewerbe war seit dieser Zeit in Hermsdorf nachgewiesen.
  • 1655 - die erste bekannte Dorfordnung in Hermsdorf sollte den ordentlichen Ablauf des Lebens und das Verhalten bei Feuergefahr in der Gemeinde regeln. Sie wurde vom Amt Eisenberg bestätigt. Sie gab auch Aufschluss über das Holz verarbeitende Gewerbe. Es wurden Latten, Leitern, Pflockhölzer, Saukoben, Pfähle und dgl. Holzwaren hergestellt. Fuhrleute mit zwei rädrigen Karren (Ziehkarren) und Schubkarren schafften die heimischen Erzeugnisse in die Fremde.
  • 1655 - Durch Vergleich in einem Streit mit dem Bärenwirt Nicol Tammericht wurde der Reiheschank, eingeführt. Mit der Bierstange am Haus wurde angezeigt, welche Familie zurzeit das Verkaufsrecht hatte.

ab 1700

  • 1710 - Es wurden erste Anträge zum Neubau bzw. Teilneubau der St. Salvator Kirche gestellt, da sie zu klein und auch baufällig geworden war. Zu dieser Zeit war aber die Finanzierung nicht gesichert.
  • 1712 - Hermsdorf hat 491 Einwohner.
  • 1719 - Die Gemeinde Hermsdorf erhielt die Auflage, sich an Straßenbauarbeiten an der "Eisernen Hand" von Eisenberg nach Hermsdorf zu beteiligen.
  • 1720 - Hermsdorf wurde erneut von der Pest heimgesucht.
  • 02.11.1730 - Über Thüringen wurde eine "unheimliche" Sichtung am Himmel beobachtet:
    02.11.1730 Feuerzeichen am Himmel
  • 17.05.1732 - Grundsteinlegung, nach Abriss der alten, kleinen und auch baufälligen evangelisch-lutherischen Kirche. Die durch den Maurermeister Gottfried Brendel aus Rauda an der gleichen Stelle errichteten Kirche, wurde noch im gleichen Jahr, am 1. Advent, geweiht. Die Kirche unterstand in dieser Zeit dem Dekan in Lobeda, Bistum Naumburg. Der Friedhof, der bisher um die Kirche herum angelegt war, wurde in die heutige Geraer Straße verlegt, wo er sich jetzt noch befindet. Der Platz wurde für den größeren Neubau benötigt.
  • 1747 / 1748 - Hermsdorf erhielt eine zweite Geleitstelle, die sich gegenüber des späteren Standortes des Rathauses, im ehemaligen Gasthof „Zur Guten Quelle“, befand. Sie war bis 1834 noch in Betrieb.
  • 1753 - Es gab eine Schlägerei im Gasthof [„Zum Schwarzen Bär“] zwischen 6 Hermsdorfern und 11 Bauern aus Buchheim. Dabei wurde Georg Tischendorf aus Buchheim erschlagen.
  • Um 1755 - Nach der Schulmatrikel von 1755 hatte der Schulmeister von Hermsdorf Anspruch auf einen Schleißenbaum aus dem Kirchenholz. Mit brennenden Spänen (Kienspan / Schleiße) erleuchtete und verräucherte er seine Stube, da ihm die Kerzen zu teuer waren.
  • 1756 -1763 - Der Siebenjährige Krieg wirkte sich auch auf Hermsdorf aus. Besitzerin des Gasthofes „Zum Schwarzen Bär“ war die Witwe Gentsch. Sie war wohlhabend, denn sie hatte 1762 die stärkste Einquartierung und musste 24 Mann und 29 Pferde verpflegen. Dem Gasthof „Zum Schwarzen Bär“ gegenüber an der Geraer Straße steht das Haus von „Grunerts Bäcker“. Der alte Bäcker Michael Gruner hatte die zweitstärkste Einquartierung und musste 14 Mann, 13 Pferde und ein Weib ins Quartier nehmen und verpflegen.
  • 1763 - Aufgrund der Inschrift einer Tafel in der Kirche Hermsdorf war zu dieser Zeit Schultheiß (Gemeindevorsteher) Johann Gottfried Plötner. In diesem Jahr starben 45 Einwohner an den Schwarzen Blattern.
  • 1765 - Die älteste bekannte Bäckerei war im Besitz der Familie Eckardt, später Walter Wolff heute Motorgeräte Matthes.
  • 1771 - 1772 - von ca. 500 Einwohnern starben 106 an Hungertyphus.
  • Um 1777 - wahrscheinlich wurde in dieser Zeit die 1. Feuerspritze in der Gemeinde Hermsdorf  mit einem Zuschuss aus dem Kirchen-Kapital-Stock angeschafft.
  • 20.12.1789 - in der Bergstraße (im Loch) ging erstmals die alte Mühle in Betrieb. Erbauer und Eigentümer war Johann Michel Poser aus Eineborn. Bis 1788 hatte er bereits sein Wohnhaus dort errichtet. Im Jahr 1872 brannte die Scheune, Schuppen und Schneidwerk der Mühle aus und wurde nicht wieder errichtet.
  • 1792 - 1811 - Friedrich Stöckigt, Sohn des hiesigen Amtschulzen [Bürgermeister], war Schulmeister der Schule.
  • 1794 - nach dem Allgemeinen Preußischen Landrecht wurde das Tragen von Familiennamen gesetzlich festgelegt.
  • 29.11.1797 - Johann Gottfried Petermann erhielt die Genehmigung zum Hausbau in den Pechgelängen und musste jährlich 2 Groschen Erbzins an die Pfarrei zahlen. Er hatte ein Bittschreiben an die Pfarrei gerichtet, in dem er anführte, dass ihm die Mietwohnung in Fröhlichs Haus aufgekündigt worden sei. Er könne kein anderweitiges Unterkommen finden, sondern müsste sich mit seiner Frau und kranken Kindern Tag und Nacht unter freiem Himmel aufhalten.

ab 1800

  • 28.01.1800 - Johann Michael Chemnitz verkaufte sein Gut (ein Lehnsgut der Kirche) an seinen Sohn Johann Michael Chemnitz. An die Kirche mussten 9 Gulden Lehnsgeld entrichtet werden.
  • 1800 - Hermsdorf hatte 600 Einwohner.
  • 1806 - Johann Christian Hopf (Pfarrer in der St. Salvator Kirche Hermsdorf) begann die erste bekannte Chronik von  Hermsdorf.
  • 1806 - 1812 - Der Ort hatte laufend Einquartierungen von durchziehenden Truppen. Die Bauern mussten Vorspann leisten. Die Mehrzahl der Einwohner versteckte sich im Kochwinkel. Am 12.10.1806 zogen Franzosen mit einer Armee von 100.000 Mann durch Hermsdorf und plünderten den Ort. Die Bevölkerung hatte unter napoleonischer Fremdherrschaft zu leiden. Diese hohe Anzahl ist falsch, siehe Ausführungen über den Link.
  • 1809 - Hermsdorf zählte 681 Einwohner.
  • 1816 - In den Holzland Dörfern herrschte eine große Teuerung. General Landeskommissar und Oberforstmeister Ramscher Freiherr v. Schwarzenfels erließ deshalb einen Aufruf, um Spenden bei der Geistlichkeit und den Rittergütern einzufordern.
  • 1817 – Hermsdorf ist unmittelbares Amtsdorf im Fürstentum Sachsen - Altenburg, mit Kreisamt Eisenberg. Es hat eine unter der Inspektion stehende Mutterkirche mit Filialen in Oberndorf und Reichenbach, sowie eine Schule. Das Dorf bestand aus 102 Häusern und zählt 600 Einwohner. (Vollständiges Staats – Post – und Zeitungslexikon von Sachsen 4. Band 1817)
  • 1823 - 1910 - Die Bevölkerungszahl von Hermsdorf vervierfachte sich von 851 auf 3450 Einwohner.
  • November 1825 - Die Glocken- und Rotgießer Zeitheim aus Kraftsdorf fertigte eine neue Spritze für die Feuerwehr der Gemeinde Hermsdorf an.
  • 1827 - Das alte Schulgebäude neben der Kirche (das „Kinderheim“ daher Kinderheimgasse) gilt als ältestes Schulhaus in Hermsdorf. Es wurde 1827 mit einem wesentlichen Aufwand repariert und erweitert. Es wurde ein älteres bei Spaths in der Ernststraße (heute Alte Regensburger Straße 30) vermutet.
  • 03.12.1830 - Auf dem Weg aus einer Brandweinschenke kommen fiel der 66 Jahre alte Johann Heinrich Gräfe in einen offen gelassenen Brunnen und ertrank darin. Er wurde erst am nächsten Morgen darin aufgefunden.
  • 1830 - Der Wildbestand hatte so überhandgenommen, dass er eine große Gefahr für die Ernte darstellte. Als Hilfe für die Bauern ließ der Herzog in Altenburg Hirsche und Wildschweine abschießen.
  • Ab 1830 wurde die Reichenbacher Straße angelegt.
  • 1832 - Aus Anlass der 100-Jahrfeier der Erbauung der St. Salvator Kirche wurden Kanzel und Altar renoviert und ein neuer Taufstein aufgestellt.
  • 1834 - Die Geleiteinnahme in der heutigen Alten Regensburger Straße (heute Nummer 24) wurde aufgehoben. Der letzte Geleiteinnehmer war Stöckigt, der das Amt 50 Jahre verwaltete.
  • 1841 - Hermsdorf zählte 180 Häuser mit 1096 Einwohnern, außerdem ein Brauhaus und ein Spritzenhaus. In diesem Jahr gab es:
    - zwei Schmiede
    - zwei Bäcker
    - zwei Seiler und
    - einige Schneider und Schuhmacher.
    Der größte Teil der Bevölkerung beschäftigte sich mit Holz- und Zimmerarbeiten aller Art. "Die meisten Häuser liegen zu beiden Seiten der Straße, die durch das Dorf führt, und die auch in den Jahren 1837 und 1838 bis an den Wald chaussirt wurden ist. An dieser Straße liegt nun auch der Gasthof, das älteste und ansehnlichtste Gebäude des Orts, wozu auch der meiste Grundbesitz gehört, der eine eigene Brauerei und viele Privilegien hat. Der gegenwärtige Besitzer ist Johgann Wilhelm Geßner." Quelle: "Die Ephorien Eisenberg, Kahla und Roda als 2. Abtheilung der Kirchen-Galerie des Herzogthums Sachsen-Alteburg (Lief 14)"
  • 27.12.1851 - In Hermsdorf brannte ein Wohnhaus nieder.
  • 28.09.1855 - In Hermsdorf brannten zwei Wohnhäuser nieder.
  • 1858 - Eine erste größere Bibliothek gab es in Hermsdorf in der Schule (heute Friedensschule). Der Schule wurden zur Gründung einer Schulbücherei, von einem Förderer der Sache, wertvolle und umfangreiche Bücher geschenkt. Diese Bestände wurden mit der Zeit weiter ergänzt. Infolge der Bombenangriffe am 09.04.1945 brannte die Schule aus, die Bibliothek konnte nicht gerettet werden.
  • 1863 - Gründung des Männerchors und der Gemischte Chor wurden als Verein gegründet.
  • 05.10.1864 - Die Landesbibelgesellschaft führte in Hermsdorf ihr Jahresfest durch.
  • 02. und 03.12.1864 - Im Regierungsbezirk Altenburg, so auch im Westkreis, wurde eine große Volkszählung durchgeführt.
  • 1865 - Hermsdorf hatte damals ca. 1500 Einwohner, die Gemeinde stellte einen ergebnislosen den Antrag zum Bau eines Rathauses.
  • 1866 - die bis dahin lose Quelle, der Buchborn, wurde angelegt und in großen Steinplatten gefasst, mit einer Sandsteinplatte überdacht und als Schöpfstelle hergerichtet.
  • 1867 - Bau der Landstraße nach Gera über Oberndorf. Die Straße wurde 1958 erstmals gepflastert.
  • 1868 - Das Dampfsäge-  und Hobelwerk Prüfer wurde gegründet. Der Standort gehörte in dieser Zeit noch zur Flur Klosterlausnitz und kam 1924 zu Hermsdorf. Im Jahr 1936 wurde das gesamte Werk als Insolvenzmasse versteigert. Den Zuschlag erhielt Wilhelm Hegemann, der nach dort den Sitz seiner 1926 gegründete Firma Hematect verlegte.
  • 28.02.1868 - Im brach ein Feuer aus. Einen Teil des entstandenen Schadens bekam der Gastwirt Richard Geßner durch die Feuerversicherung ersetzt.
  • 29.09.1868 - Anhand einer Anzeige des Gendarmen Hilpert gibt es einen Nachweis über den Gesangsverein in Hermsdorf.
  • 21.10.1868 - Der Landesmissionsverein führte in Hermsdorf sein Jahresfest durch.
  • 09.12.1868 - Die Feuerwehrspritze aus dem Jahre 1825 genügte nicht mehr den Anforderungen. Sie wurde durch eine neue, zum Preis von 750 Thalern ersetzt.
  • 08.07.1869 - Der Hauptverein der Gustav Adof Stiftung im Herzogtum führte seine Jahresfest durch.
  • 18.06.1871 - Die Friedenseiche an der Straße nach Reichenbach wurde gepflanzt.
  • 1870 - 1880 - In dieser Zeit wurde der Wald von Oberndorf bis zum heutigen Freibad und von Reichenbach bis an den „Roten Strumpf“ geschlagen.
  • 1871 - Gründung der Schützengesellschaft Hermsdorf.
  • 1871 - Der Holzwarenhändler Wilhelm Traugott Plötner aus Hermsdorf kaufte vom Zimmermeister Friedrich Traugott Beyer aus Hermsdorf das Haus (heute Eisenberger Str. 23), welches heute noch Firmensitz ist. Wilhelm Traugott Beyer handelte mit Leitern und diversen Holzwaren. Im März des gleichen Jahres verkaufte er das Anwesen an seinen Sohn Friedrich Traugott Plötner.
  • 24.02.1871 - Die Beyersche Schneidemühle brannte nieder.
  • 26.04.1871 - Herzog Ernst II. soll nach dem Frankreichfeldzug Hermsdorf besucht haben. Tatsächlich ist dies aber nicht der Fall gewesen. An diesem Tag soll das zweitälteste vorhandene Foto in Hermsdorf entstanden sein. Das Foto entstand tatsächlich aber später. In Hermsdorf erhielt aber die erste Straße den Namen „Ernststraße“ (heute Alte Regensburger Straße).
  • 1871 - 1892 - Das Kriegerdenkmal für die Teilnehmer am deutsch-französischen Krieg stand auf der heutigen Kreuzung Eisenberger Straße / Schulstraße / Felsenkellerweg. Im Felsenkellerweg entstand das Sägewerk Völkel. Da es durch das Denkmal Probleme gab, mit den Langholzwagen um die Kurve zu fahren, ließ der Fabrikbesitzer das Denkmal an die Schule umsetzen. Dies erfolgte 1892, da aus diesem Jahr neue Dokumente in den Sockel eingelagert wurden - siehe 16.07.1892.
  • 18.06.1871 - Am Wege nach Reichenbach (Reichenbacher Straße / Oberndorfer Weg) wurde anlässlich des Friedensfestes eine Eiche gepflanzt. Zudem wurde in diesem Jahr erstmals das „Sedanfest“ gefeiert. Die Schüler zogen an diesen Feiertag zur Friedenseiche und erhielten alle ein Glas Bier und eine Bockwurst. Der Sedanstag (Feiertag) wurde am 27.08.1918 durch die Weimarer Republik wieder abgeschaft, da er die Feindschaft zu Frankreich besiegelte.
  • 29.04.1872 - 02.11.1873 - In diesem Zeitraum erfolgten die Grundsteinlegung und der Baudes neuen Schulgebäude und die Einweihung 02.11.1873 mit gleichzeitigem Beginn des Unterrichtes. Auf diesen Grundmauern steht seit 1949 die "Friedensschule".
  • 02.06.1874 - Die 18 jährige Agnes Präßler wurde auf dem Feld von einem Blitz erschlagen.
  • 07.09.1875 - Wilhelm Bauer, Lehrer und Heimatforscher (viele Beiträge der Hermsdorfer Geschichte stammen von ihm), wurde in Hermsdorf geboren (†31.05.1948 Hermsdorf).
  • 29.07.1876 - Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Weimar - Gera. Hermsdorf erhielt damit Anschluss an das Eisenbahnnetz. Gleichzeitig wurden an diesem Tag im Bahnhofsgebäude eine Posthilfsstelle und ein Post- und Telegrafenamt eröffnet.
  • 1880 - Hermsdorf hatte 263 Häuser mit 1542 Einwohnern, es gab 130 Taufen, 22 Trauungen und 105 Begräbnisse.
  • 1883 - Wurden 119 Taufen, 23 Trauungen und 75 Begräbnisse beurkundet.
  • 1883 - Gründung des Landesverbands der Sachsen - Altenburger Feuerwehren. Im Gründungsjahr gehörten diesem Verband 8 Feuerwehren an, so auch die Feuerwehr Hermsdorf.
  • 28.12.1884 - Stiftungsfest des Hermsdorfer Militärvereins, Vorsteher war Louis Bratfisch.
  • Januar 1885 - Einführung der Maßeinheit Meter statt Zoll.
  • Januar 1885 - In Hermsdorf wurden in einer Deckstation zwei Hengste stationiert. Sie wurde in das Opelsche Gehöft, Hausnummer 145 verlegt. Am 14.04.1885 wurde wegen starker Nutzung ein dritter Hengst aufgestellt. Die Station blieb bis Juli 1885.
  • 31.03.1885 - Die Kommunbrauerei brannte vollständig nieder.
  • 01.04.1885 - Die Königliche Eisenbahndirektion führte auch auf der Bahnline Gera - Weimar neue Tarife für die Beförderung von Leichen, lebenden Tieren und Fahrzeugen ein.
  • 06.06.1885 - alle Personen, welche Tabak anbauten, wurden aufgefordert die Anzahl der Pflanzen zur Versteuerung anzumelden.
  • 31.07.1885 - Zwangsversteigerung von Gehöft, Garten, Feld, Wiese und Leede bei Johann Julius Blöttner "Gretentoffel" im Gasthof "Zum Schwarzen Bär".
  • August 1885 - In Hermsdorf und Schleifreisen wurden Ferien-Kolonien für Geraer Kinder eingerichtet.
  • 18.10.1885 - Ephoral-Missionsfest in Hermsdorf.
  • 01.12.1885 - Volkszählung im Westkreis, also auch in Hermsdorf.
  • 1885 - Die Straßenbeleuchtung mit Petroleumlampen wurde eingeführt. Hermsdorf hatte 267 Häuser mit 1567 Einwohnern.
  • Januar 1886 - In Hermsdorf wurden in einer Deckstation zwei Hengste stationiert.
  • 01.08. bis 16.09.1885 - Altenburger Landesausstellung.
  • 1886 - Wurden 127 Taufen, 37 Trauungen und 79 Begräbnisse beurkundet.
  • 1886 - Das Dampfsäge- und Dampfhobelwerk Ernst Acker wurde gegründet. Der Standort gehörte in dieser Zeit noch zur Flur Klosterlausnitz, ab 1924 zu Hermsdorf.
  • 24.10.1886 - Die Scheune des Holzhändlers August Riedel und das Wohnhaus von August Serfling brannten nieder.
  • 02.03.1887 - Der Bäcker August Scheffel versteigerte sein Wohn-, Geschäftshaus siwie Feld- und Wiesengrundstücke.
  • 14.07.1887 - Es gibt wieder eine Ferienkolonie in Hermsdorf.
  • 01.12.1886 - In Verbindung mit der Postanstalt wurde eine Reichstelegraphenanstalt errichtet.
  • 15.11.1887 - Gründung des Turnvereines „Gut Heil“ im Oswaldschen Gasthof. Ende 1887 zählte der Verein bereits 30 Mitglieder.
  • 15.11.1887 - 1895 - Vorstand des Turnvereines „Gut Heil“ war 1. Vorsitzender Louis Serfling, 2. Vorsitzender Richard Bauer, Kassierer Otto Krieg, Schriftführer Louis Opel und Turnwart Karl Krieg.
  • 1889 - Bau der Hermsdorfer Porzellanfabrik als Filiale der Kahla AG, die Produktionsaufnahme erfolgte am 06.01.1890.
  • 1889 - 1891 - Turnwart des Turnvereines „Gut Heil“ war Louis Martin.
  • 1890 - Hermsdorf lag im Herzogtum Sachsen-Altenburg (S.A.). Altenburg war der Regierungssitz für Hermsdorf.
  • 1890 - Gründungsjahr des Militärvereines und des Naturheilvereines. Der junge Turnverein „Gut Heil“ nahm bereits an auswärtigen Wettkämpfen teil.
  • 1891 - Der Turnverein „Gut Heil“ wurde Mitglied der Deutschen Turnerschaft.
  • 1891 - 1892 - Turnwart des Turnvereines „Gut Heil“ war Ignatz Langkammer.
  • 1892 - Im Porzellanwerk begann die Umstellung der Produktion auf technische Keramik. Es entstanden die Anfänge einer Industrieforschung. Durch die Zuwanderung dringend benötigter Arbeitskräfte wuchs die Einwohnerzahl von 1750 auf 3150 im Jahre 1910.
  • 22.01.1892 - Hermann Koch, Direktor Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf, schied aus dem Vorstand aus.
  • 08.02.1892 - Reinhold Serfling (Gastwirt "Zum Schwarzen Bär") versteigerte am Felsenkeller 3 Acker 70jährige Bäume.
  • 27.02.1892 - Generalversammlung des Turner-Bundes "Gut Heil".
  • 16.03.1892 - Im Gasthof "Zum Schwarzen Bär" fand ein Bauerntag des Deutschen Bauernbundes statt.
  • 12.02. bis Ende Juni 1892 - In Hermsdorf wurden zwei Beschäler (Zuchthengste) des Königlich Preuß. Sächsischen Landgestütes stationiert.
  • 28.-30.05.1892 - Festwoche des Turnvereins „Gut Heil“ zum 5-jährigen Jubiläum mit Weihe der Vereinsfahne.  Im Zusammenhang mit der Fahnenweihe kam es zu Unstimmigkeiten und Spaltung des Vereins. Es erfolgte die Gründung eines zweiten Turnvereins „Germania“.
  • 16.07.1892 - Das Kriegerdenkmal für die Teilnehmer am Deutsch-Französischen Krieg wurde auf der heutigen Kreuzung Eisenberger Straße / Schulstraße / Felsenkellerweg errichtet. Im Felsenkellerweg entstand später das Sägewerk Völkel. Da es durch das Denkmal Probleme gab, mit den Langholzwagen um die Kurve zu fahren, wurde es 1909 umgesetzt. Aus dem Jahr der Errichtung blieb ein Dokument, welches im Sockel eingelagert war, erhalten und 1955 beim Abriss abgeschrieben:
    „Die Zeiten sind jetzt nicht die Besten zu nennen. Handel und Wandel sind seit einigen Jahren sehr zurückgegangen, was wir nur den Sozialdemokraten zu verdanken haben, weil selbige nur 8-stündige Arbeitszeit beantragen. Die Unternehmerbauten liegen daher ganz im Argen. Die Ernte war hier in unserer Flur sehr schön, dagegen anderweitig leidlich, mitunter ganz schlecht, weil es so sehr an Regen fehlt.
    Das Pfund Brot kostet 14 Pfennig.
    Das Pfund Butter kostet 1,10 Mark.
    Das Pfund Fleisch kostet 50 - 70 Pfennig.
    Ein Zentner Kartoffeln kostet 4 Mark.
    Ein Zentner Roggen kostet 12 Mark.
    Ein Zentner Weizen kostet 12 Mark.
    Ein Zentner Hafer kostet 7 – 8 Mark.
    Einwohnerzahl 1900 Köpfe
    Lehrer 3
    Pastoren 2
    Doktoren 1
    Bis zum Jahre 1889 war eine schöne goldene Zeit für die hiesigen Einwohner, da alles in Zufriedenheit lebte, die Gemeinde, Kirche und Schule in guten Vermögensverhältnissen lebten. Bis zum Frühjahr 1889 die Porzellanfabrik von Herrn Koch am Bahnhof gebaut wurde, selbige brachte viele Menschen nach hier, infolgedessen die Gemeinde viele Lasten bekam.
    Hermsdorf, den 16. Juli 1892 Otto Voigt Gustav Beyer“
  • 05.09.1892 - Oskar Arke und Carl Boßler wurden zu Prokuristen der Porzellanfabrik Kahla, Filiale Hermsdorf ernannt. Sie durften Verfügungen nur gemeinschaftlich mit einem Direktor oder Prokuristen treffen.
  • 26.09. - 01.10.1892 - Wegen Straßenbauarbeiten war der Bahnübergang am Bahnhof gesperrt.
  • 1892 - 1895 - Turnwart des Turnvereines „Gut Heil“ war Louis Martin.
  • 17.01.1893 - Ausstellung des Geflügelzüchtervereins Hermsdorf-Hapersdorf.
  • 02.05.1893 - Dr. med. Oskar Fröhlich nahm seine Praxis auf. Am 15.06.1893 ließ er sein Haus in Klosterlausnitz versteigern. Gegenwärtig ist nicht bekannt, wo er in Hermsdorf wohnte, bzw. seine Praxis hatte.
  • 04.07.1893 - Der Kirchenvorstand schrieb Dachdeckerarbeiten für das Pfarrhaus aus.
  • 11.05.1894 - In einer Sitzung des Gemeinderates wurde über folgende Themen verhandelt:
    - Kosten der neu angelegten Straße hinter der Kirche in der Kinderheimgasse.
    - Modalitäten zum Aufrichten eines Baumes am 3. Pfingstfeiertag, welcher im Vorjahr nicht von   der Burschenschaft, sondern von Männern des Ortes gesetzt wurde.    Diese hatten sich   rechtswidrig den Mutzertrag (Erlös aus gebratenem Schwein - daraus wurde später der   Mutzbraten) „verlebt“.
    - Kosten des Waisenkindes Friedrich Otto Volk geboren 02.01.1881, welches ein Verwandter   Friedrich Ziche in Muntschütz in Erziehung hatte und dafür aus der Gemeindekasse 60 M   erhielt. Dies soll fortan nicht mehr ausgegeben werden, da in diesem Alter das Kind billiger  untergebracht werden könnte.
  • 22. bis 24.06.1894 - Der Turnverein „Gut Heil“ richtete in Hermsdorf das XI. Reußische Gau-Turnfest aus. “In dem wir Euch hiervon in Kenntnis setzen, laden wir Euch gleichzeitig zu demselben hiermit freundlichst ein und bitten Euch, recht zahlreich zu erscheinen, um zu beweisen, dass der Reußische Gau ernstlich bestrebt ist, die Ideale Weiland Vater Jahns immer mehr und mehr zu erreichen. Wir haben bisher Alles getan, um das Fest zu einem recht gelungenen zu gestalten und Euch den Aufenthalt in unserem lieben Orte so angenehm wie nur immer möglich zu machen, beweist nun, Ihr durch Euer vollzähliges Erscheinen dass Ihr unsere Mühe und Arbeit anerkennt und dass unsere Arbeit nicht vergeblich gewesen ist. In dieser Erwartung rufen wir Euch Allen nochmals zu: „Auf Wiedersehen zum Gauturnfest in Hermsdorf!“ Mit turnerischer Hochachtung und herzlichen Gruß Turnverein „Gut Heil“ zu Hermsdorf Louis Serfling Vors. Richard Eckardt Schriftführer Louis Martin Turnwart (Aus Originalplakat)
  • 1895 - Hermann Staps  eröffnete im Haus Eisenberger Str. 22 (heute Nummer 20) ein Barbiergeschäft. Es wurden auch Zähne gezogen und geschröpft. 1928 erfolgte die Geschäftsübergabe dann an Sohn Walter Staps. Familie Staps verzog 1937 von Hermsdorf nach Apolda. Das Geschäft wurde von Frisörmeister Karl Müller übernommen und weitergeführt. Ihm folgte als Eigentümer mit Praxis im I. Stock der Dentist Willi Schröder, heute Zahnärzte Dr. Klaus u. Dr. Jörg Schröder.
  • Februar bis Ende Juni 1894 - In Hermsdorf wurden zwei Beschäler (Zuchthengste) des Königlich Preuß. Sächsischen Landgestütes stationiert.
  • Februar bis Ende Juni 1895 - In Hermsdorf wurden zwei Beschäler (Zuchthengste) des Königlich Preuß. Sächsischen Landgestütes stationiert.
  • 02.05.1895 - Erste Planungen für den Bau einer größeren Gaststätte. Daraus wurde dann das Hermsdorfer Rathaus.
  • 23.05.1895 - Erster Wochenmarkt in Hermsdorf in der Reichenbacher / St. Gangloffer Straße (Alter Markt).
  • 14.10.1895 - Laut Bwerufs- und Gewerbezählung hatte Hermsdorf 2093 Einwohner, die in 433 Haushaltungen lebten.
  • 14.11.1895 - Vorarbeiten und Planung für den Bau des Rathauses Hermsdorf waren abgeschlossen.
  • 21.12.1895 - Kommerzienrat Friedrich August Hermann Koch übergab 1000,- Mark und die Zahlungszusicherung von 300,- Mark jährlich für die Gründung einer Kleinkinderbeahranstalt, dem späteren Kinderheim.
  • 1895 - 1897 - Turnwart des Turnvereins „Gut Heil“ war Richard Vogel.
  • 1895 - 1900 - Vorstand des Turnvereins „Gut Heil“ war Richard Eckardt.
  • 1896 - die alte Schule neben der Kirche wurde seit 1896 als Kinderheim für Hermsdorf genutzt. Treue Schaffnerin und zeitweise Kinderheimsdame zugleich war viele Jahre Agnes Oßwald, die im Jahr 1922 verstarb.
  • Juni 1896  - Gründung der Böttcherei Gräfe.
  • 1896 - 1897 - Bau des Hermsdorfer Rathauses mit einem Kostenaufwand von 130 000 Mark und Eröffnung am 01.10.1897.
  • 1897 - Erfindung der Delta-Glocke als Markenzeichen für die Isolatorenfertigung in Hermsdorf.
  • 1897 - Die Feuerlöschordnung des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha vom 31.08.1880 wurde im hiesigen Herzogtum Sachsen-Altenburg eingeführt.
  • 1897 - In Hermsdorf erschien das „Hermsdorfer Tageblatt“. Im gleichen Jahr wurde die Ziegelei Schlenzig gegründet.
  • 1897 - 1904 - Turnwart des Turnvereines „Gut Heil“ war Georg Ortlepp.
  • Anfang 1898 - Das Herzoglich Sächsische Landratsamt  zu Roda wies die Gemeinde Hermsdorf an, eine organisierte Feuerwehr einzurichten. Die Aufgaben des Feuerschutzes nahm bislang eine Pflichtfeuerwehr wahr. Jeder Hausbesitzer musste dafür eine männliche Person stellen. Jedoch verfügte dieser bunt zusammengewürfelte „Haufen“ aus allen Bevölkerungsschichten kaum über eine fachgerechte Ausrüstung und Ausbildung.
  • 31.03.1898 - Der Hermsdorfer Gemeinderat ernannte Kommerzienrat Friedrich August Hermann Koch und Kommerzienrat Dr. Gustav Strupp in Meiningen zu Ehrenbürgern von Hermsdorf.
  • 03.05.1898 - In der 6. Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, die Feuerwehrordnung von Friedrichshaide in der hiesigen Gemeinde einzuführen.
  • 13.07.1898 - Das „Hermsdorfer Tageblatt“ berichtete: „Die üblichen Heidelbeerferien, die früher gewöhnlich 14 Tage dauerten, sind um acht Tage gekürzt worden und somit jetzt zu Ende gegangen, da bei nasskalter Witterung die Beeren nicht reifen und infolge des Regens auch nicht gesammelt werden können.“
    Im gleichen Monat erfolgte die Gründung eines Kegelvereins.
  • 18.08.1898 - Die „Rodaische Zeitung“ berichtete: Herr Korbmacher Emil Füchsel hier in Hermsdorf hat eine Wäscheklammer erfunden, bei deren Gebrauch sich bei heftigem Winde die Wäsche nicht mehr von der Leine wickeln kann. Diese Erfindung war in Deutschland, Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich, Großbritannien und Norwegen patentiert worden.“
  • 05.09.1898 - Das Hermsdorfer Tageblatt berichtete: „Da unser Ort sich in der Zwangslage befindet, eine organisierte Feuerwehr einrichten zu müssen, wurde in einer gestern abgehaltenen Gemeindeversammlung die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr beschlossen. Herr Rechnungsrat Dietzmann aus Ronneburg hielt in der Versammlung einen Vortrag über das Feuerlöschwesen, worauf sich 50 Mann in die Mannschaftsliste eintragen ließen.“
  • 06.09.1898 - Der Schulamtskandidat Gentsch aus Hermsdorf erschoss sich in Ronneburg. In einem Brief an die Mutter bat er um Verzeihung und gab an, dass sein Geist durch sein Studium zu sehr angegriffen sei.
  • 07.10.1898 - Auf dem Bahnhof ging vormittags das Pferd eines Schleifreisener Fuhrmanns durch und rannte mit dem Wagen auf der Bahnstrecke entlang nach der Papiermühle zu. Eine Weiche wurde dadurch abgebrochen und verbogen. Ansonsten haben Pferd und Wagen kein Schaden genommen.
  • 29.11.1898 - Das „Hermsdorfer Tageblatt“ berichtete: „Erster Hermsdorfer Eisbader. Am Sonntag hat sich ein hiesiger Porzellandreher B. in einem hiesigen Teiche gebadet. Der Mann scheint eine gute Natur zu haben, da er in seinem Aufenthaltsort das Baden im Freien bis jetzt fortgesetzt hat.“
  • 04.12.1898 - im Ort fand eine Versammlung zur endgültigen Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr statt. Ihren Beitritt zur Feuerwehr erklärten dort 39 Mann. Diese wählten die Maurermeister Louis Moritz als Hauptmann und Zimmermeister Emil Beyer als Stellvertreter.
  • 05.12.1898 - Der Turnverein „Gut Heil“ zog in das neu erbaute Rathaus ein und nutzte die Gaststätte als Vereinslokal.
  • 07.12.1898 - Ausschnitt aus dem Generalanzeiger: „Am vergangenen Sonntag hat sich nun auch in unserem Ort eine freiwillige Feuerwehr gebildet. Es haben bereits gegen 50 Personen ihren Beitritt zu derselben erklärt. Als Kommandant wurde in der am Sonntag Nachmittag abgehaltenen Versammlung Herr Baumeister Moritz gewählt. Möge diese Feuerwehr, welche wohl die erste ländliche im Westkreise ist, für unseren aufblühenden Ort von Segen sein.“
    Baumeister Louis Moritz war bis zum 13.06.1902 als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Er wurde von seinem Stellvertreter, Zimmermeister Emil Beyer, abgelöst, der der Wehr bis zum 17.04.1912 vorstand.
  • 26.01.1899 Gründung der Feuerwehr in Hermsdorf - die eigentliche Gründung erfolgte anlässlich des 1. Generalappells und wurde mit der Ernennung der Spritzenmeister, Sektionsführer, Steigerführer, Steiger und Hornisten vollzogen. Dem Protokoll sind die Namen von Baumeister Wetzel, Schmied Louis Steingrüber, Schmied Traugott Prüfer, Julius Geithe, Otto Klein, Hugo Schlenzig, Hermann Herling, Richard Walther, Gotthold Scheller, Rudolf Franke, Otto Burg, Hermann Bröter, Alfred Plötner, Otto Wittig, Albin Nölle und Wilhelm Plötner zu entnehmen. Insgesamt gehörten der Wehr 53 aktive und 30 passive Mitglieder an. Das Fehlen bei Übungen sollte mit  0,25 M und das Fehlen beim Monatsappell mit  0,10 M Strafe belegt werden.
    Neben den bereits vorhandenen zwei vierrädrigen Feuerwehrspritzen wurde im Gründungsjahr eine zweirädrige Handdruckspritze der Firma Brauer & Lücke Altenburg zum Preis von 675 Mark durch die Gemeinde angeschafft.
    Diese Handdruckspritze wurde bis nach dem 2. Weltkrieg zur Brandbekämpfung eingesetzt. Noch heute kann sie im Feuerwehrgerätehaus besichtigt werden.
  • 22.04.1899 - Zu einem Preis von 675 Mark erfolgte die Lieferung einer zweirädrigen Abprotzt - Handdruckspritze mit Saugwerk durch die Firma Brauer & Luke aus Altenburg.