Wie die Gemeinde Hermsdorf im Jahre 1825 bei Anschaffung einer neuen
Feuerspritze aus dem Kirchenvermögen unterstützt wurde.

 
Hermann Göbel war ab 1912 Lehrer, ab 1939 - 1945 Rektor (er löste Ernst Gabler ab) an der Hermsdorfer Schule. Gewohnt hat er im Bobecker Weg 6, heute Beethoven Straße. Göbel beschäftigte sich viel mit heimatgeschichtlichen Forschungen. Im Jahr 1949 verkaufte er das Haus in Hermsdorf und verzog nach Wurzbach, wo er verstarb.
Nachfolgendes Dokument liegt vor, es handelt sich um eine Abschrift aus Unterlagen der evang.-luth. Kirchegemeinde St. Savator. Darin geht es um die Anschaffung einer neuen Feuerwehrspritze im Jahr 1825. Die Übersetzung und Erläuterungen befinden sich am Ende.
Abschrift Teil 1 Abschrift Teil 2
Abschrift Teil 3
 

Übersetzung:

Wie die Gemeinde Hermsdorf im Jahre 1825 bei Anschaffung einer neuen Feuerspritze aus dem Kirchenvermögen unterstützt wurde.

Die Feuerspritze der Gemeinde Hermsdorf war in einem sehr üblen Zustand und leistete „beinahe gar keine Dienste mehr“. Es sollte deshalb nach dem Wunsch der Gemeinde nicht nur eine neue Feuerspritze angeschafft, sondern auch die alte repariert werden.

Die Gemeinde wandte sich durch den damaligen Pfarrer Thienemann an die Kircheninspektion für Hermsdorf in Eisenberg und bat, ihr den 3. Teil zu diesem Aufwande aus dem Kirchenvermögen zu gewähren.

Die Inspektion trug Bedenken, das Gesuch dem Konsistorium vorzutragen, da ihr die Forderung zu hoch im Verhältnis zu dem Beitrag der Gemeinde schien.

Bei Abnahme der Kirchrechnung im November 1825 wurde die von dem Glocken- und Rotgießer Zeitheim aus Kraftsdorf gefertigte Spritze in Gegenwart der Inspektion probiert und für vollkommen gut angesprochen.

Bei dieser Gelegenheit wiederholte die Gemeinde ihren Wunsch und berechnete den Aufwand ein-schließlich der neuen Schläuche und Schlangenrohre mit 400 Thl und reichte zugleich die Abschrift eines Schreibens vom Jahre 1777 ein, aus dessen Inhalt folgendes für uns wissenswerte angeführt sei:

Damals war den Gemeinden auf Antrag des Kreisamts Eisenberg für die im Amtsbezirk „an zu schaf-fenden eilf Feuerspritzen ein Beitrag von den Kirchen Capital Stöcken“ angesonnen worden. Derselbe möchte bei einem Kapitalstock von unter 500 alte Schock „2 pro Cent“ und bei einem von über 500 alte Schock „3 pro Cent“ betragen. Dieser Beitrag war „ein vor allemal“ gedacht und es sollte „für das Künftige zur Erhaltung derselben nichts angesonnen werden“. Das Konsistorium trug damals Bedenken, dem Antrage, soweit vermögende aerariis in Frage kommen, beizupflichten und stellte in dem Reskript von 1777 der Inspektion „die diesfaltige Einrichtung lediglich anheim“. Die Superintenden-tur sollte „das weitere Nötige“ dieserhalb besorgen.

Soweit das Reskript des Konsistoriums vom 9.10.1777 nach der Abschrift.

Die Gemeinde hoffte, dass ihr jetziger Wunsch erfüllt werden würde. Der Kapitalstock der Kirche war damals so beschaffen, dass bei einer 3%igen Gabe ungefähr die erforderliche Summe erreicht werden würde. Deshalb wurde das Gesuch dem Konsistorium, nachdem die Inspektion es befürwortet hatte, vorgetragen und dem Ermessen des Konsistoriums empfohlen.

Am 29.11.1825 gewährte das Konsistorium „bei der Opulenz des dortigen“ (Hermsdorfer) „Aerariis, jedoch ohne Konsequenz, den von der Kommune Hermsdorf dargelegten Wunsch gemäß“, eine Bewilligung aus dem Kirchenvermögen von 100 alte Schock (ein alter Schock = 20 Groschen).

 
Bedeutung der Begriffe aus dem Schreiben
Konsistorium
Inspektion
Thl
eilf

Capital Stock
2 pro Cent
3 pro Cent
alte Schock
aerariis
Reskript
Superintendentur
Kapitalstock der Kirche
Opulenz
Aerar
Groschen
Pfarrer Thienemann
Kirchenrat
Kircheninspektion
Taler, nur gültige Währung des Monarchen, der 1825 Hermsdorf regierte
altdeutscher Ausdruck für die Zahl 11
die heutige Formulierung lautet „Fördermittel“
2%
3%
in Mitteldeutschland übliches Zahlungsmittel (Geld) bis Anfang des 18. Jahrhunderts
heutige Formulierung Personen bzw. Gesellschaften bzw. Körperschaften bzw. Städte bzw. Gemeinde
Antwortschreiben
Kirchenverwaltung
die heutige Formulierung lautet „Fördermittelfond“

Bittstellung bzw. Vortrag eines Anliegens
Vorsteher, Obrigkeit
Zahlungsmittel in (Geld) bis zur Schaffung der bismarckschen deutschen Einheit
Georg Gottlob Thienemann war 1811 - 23.11.1824 Pfarrer in Hermsdorf